Kirgistan: Alaköl See (3800m)

erstellt am: 16.04.2016 | von: vanndann | in: Berg, Sommer, Wandern

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Wandern Kirgistan Zentralasien Alaköl See

Kirgistan ist jetzt nicht unbedingt das erste Reiseziel der meisten Menschen. Ganz ehrlich: als ich mich dazu entschlossen habe, hier ein ganzes Auslandsjahr zu verbringen, war die Top 1 Frage, die ich als Antwort kassieren durfte: wo liegt denn das?

Muss man sagen: Kirgistan kennt einfach niemand 

Es ist nicht so, als würde das Land irgendwie am Ende aller Zivilisation liegen und man muss da drei Tage lang auf einem aus Schildkröten gebastelten Floß hinrudern. Aber kennen tut es halt trotzdem genau keiner – dabei liegt es ganz gemütlich und zentral in Asien, ist gut (und schnell) mit dem Flieger erreichbar, und kommt man aus der EU oder Nordamerika braucht man noch nicht mal ein Visum für den Spaß (60 Tage visumfreie Einreise!).

Kirgistan Ala Köl See Wanderung

Die wenigen dafür, die Kirgistan dann doch kennen, wissen: es ist ein Wander-Paradies. Die schönsten Berge, super zugänglich, fast unberührt, frei von Touristen, und sogar an den Höhenmetern fehlt es hier nicht. Im kirgisischen Teil des Tian Shan Gebirges (ist Chinesisch und heißt Himmlische Berge) (ja no na ned, eh klar, recht ham se!) stehen die nördlichsten Siebentausender.

Blut geleckt? Ich auch! 

Das Bergerlebnis in Kirgistan muss aber deswegen nicht gleich auf 7000 Höhenmetern stattfinden (so sehr ich mich auch dahin träume, aber getraut hab ich mich doch noch nicht!), es gibt auch in niedrigeren Regionen genügend Touren. Die zum Ala Köl See zum Beispiel. Man kann die Tour über 3 oder 5 Tage machen, ich hab mich aus Zeitgründen für die kürzere Variante entschieden: da startet man im Karakol Tal, wandert hinauf zum Ala Köl See und über den 3800m-Pass gleich daneben, bis man dann schließlich im Tal von Altyn Arashan ankommt.

Alaköl See Wanderung Kirgistan

Aber alles von vorne: Erster Stopp, Karakol!

Ausgangspunkt der Wanderung ist Karakol, im Osten Kirgistans – die kleine Stadt bietet erst mal einen guten Punkt, um nochmal genügend Snacks für den Weg einzukaufen und sich eventuell ein Zelt auszuleihen. Das macht man am besten beim Ecotrek-Office. Dort gibt es auch Isomatten und Schlafsäcke, sogar Karten kann man sich kaufen (kleiner Tipp: hilfreich! Mit Beschilderungen hat man es in Kirgistan nicht so…). Wer möchte, kann sich hier auch einen Guide buchen, aber die Wanderung ist auch ohne möglich. Dann am besten noch Snacks für den Weg einkaufen und früh schlafen gehen – der nächste Tag wird anstrengend!

Kirgistan Wanderung Ala Kol See

Tag 1: Karakol Tal bis zum Camp

Von Karakols Zentrum aus schnappt man sich den Minibus (marshrutka) #101, 20 Minuten später steht man dann direkt vorm Eingang zum Nationalpark. Praktischerweise ist das auch die letzte Haltestelle des Busses, das kann man fast nicht verpassen. Nachdem man durch die Tore ist, wo man 250som Eintritt pro Person zahlt, geht es eigentlich ganz easy voran: immer geradeaus. Man kann auch doof sein und der Straße nach links folgen, weil sie nämlich gleich am Anfang mal ein bisschen abzweigt – dann verliert man sich aber irgendwo im Wald und kommt nach drei Stunden verzweifelt drauf, falsch gegangen zu sein. Also besser: einfach der Nase nach. Ganz am Anfang kommt man durch ein kleines Dorf, danach ist man schnell alleine mit den Bergen.

Der Fluss sollte dabei die ersten paar Stunden immer rechts vom Weg verlaufen. Dann überquert man eine kleine Steinbrücke, da dreht sich der Spieß um (sprich: Fluss ist jetzt links), bis man zu einem kleinen Wasserfall kommt. Hier kann man schon campen, wenn man möchte – die meisten wandern aber weiter bis zum Basecamp circa zwei Stunden weiter oben. Da wir Doofies uns ja verlaufen hatten und es deswegen schon dunkel wurde, blieben wir über die Nacht hier – ist also alles machbar. Wenn man der Wanderung nach Plan folgt, überquert man jetzt aber noch die Brücke kurz oberhalb des Wasserfalls und folgt dem Pfad steil nach oben. Nach ungefähr zwei Stunden stößt man auf ein kleines Camp mit Holzhütte und Feuerstellen, wo man die Nacht verbringen kann.

Kirgistan Ala Kol Wanderung

Kirgistan Ala Kol Wanderung

Tag 2: Ala Kol See und der Abstieg

Am zweiten Tag ist alles eigentlich ganz einfach: rauf, halt. Achtung, es wird aber anstrengend! Vom Camp aus wandert man immer schön den Pfad entlang (oft von anderen Wanderern mit Steinhaufen markiert), bis man nach sehr viel Schwitzen und noch mehr schöner Aussicht beim See ankommt. Falls man sich wegen des Weges nicht so sicher ist: ein kleiner Bach verläuft eigentlich immer direkt neben dem Weg – logisch, das Wasser aus dem Bergsee muss ja auch irgendwo hin, wenn es zu viel wird.

Ala Kol Kirgistan See Wanderung

Jetzt kann man sich erst mal freuen, das Wasser im See auffüllen, und snacken. Der schwierigste Teil steht noch bevor: der Pass! Eigentlich nur mehr 200 Höhenmeter entfernt, aber was für welche! Man folgt einfach dem Pfad links am See vorbei (nicht direkt am Ufer unten, sondern den etwas höher – das erleichtert dann den Einstieg zum Pass). Der Boden verändert sich schnell von Erde zu Geröll, und es wird steil. Richtig steil! Mit viel Geschnaufe steht man dann aber oben und darf sich freuen: höchster Punkt geschafft!

Hinab geht’s dann auf der anderen Seite des Passes – Achtung beim Abstieg, das Gestein ist sehr locker und das Ganze verwandelt sich schnell in eine Rutschpartie. Mir hat’s Spaß gemacht, aber es ging nicht allen so – Stöcke sind hier sicher hilfreich! Man wandert hier so lange, bis man an den Fluss im Tal stößt. Dort biegt man links ins Tal und folgt dem Fluss, OHNE ihn zu überqueren, bis man zu einem kleinen Dorf kommt: Altyn Arashan. Hier gibt es ein paar Guest Houses und, was am schönsten ist: heiße Quellen. Wohl verdient nach der anstrengenden Wanderung!

Altyn Arashan Kirgistan Wanderung

Tag 3: Zurück nach Karakol

Am letzten Tag stehen nur noch ein paar wenige Stunden (2 – 3) in Richtung Karakol auf dem Plan. Von Altyn Arashan aus folgt man einfach dem Forstweg in das Dorf Ak-Suu. Von dort aus steigt man einfach in den nächsten Bus nach Karakol (die halten an der Hauptstraße) oder nimmt sich ein Taxi (wenn man denn eines findet).

Ala Kol Kirgistan Wanderung

Ala Kol See Wanderung Kirgistan

Praktische Informationen

Kosten:
250 KGS Parkeintritt,
150 KGS pro Zelt extra (wird später von einem Park Ranger eingesammelt),
ca. 30 KGS für Busse von und nach Karakol,
ca. 7USD für eine Übernachtung in Altyn Arashan (zelten ist gratis!),
plus Ausgaben für Essen, eventuell Ausrüstungsverleih und Guide
Zeitaufwand und Strecke: 
Tag 1: 16 km, 5 – 7 Stunden, ca. 1000 Höhenmeter
Tag 2: 17km, 7 – 9 Stunden, ca. 800 Höhenmeter
Tag 3: 15km, 3 Stunden, ca. 900 Höhenmeter (abwärts)

Ala Kol Wanderung Kirgistan See

Kondition braucht man auf jeden Fall für diese Wanderung, und auch eine gute Portion Orientierungssinn – wir haben uns ein paar Mal verlaufen. Meine Hose trug einen Riss vom Kampf mit dem Gestrüpp davon, aber hey: wer den Weg nicht finden kann, selbst schuld. Gute Ausrüstung sollte auf jeden Fall auch mit dabei sein, denn es kann jederzeit zu stürmen oder schneien beginnen (die Fotos oben wurden im Hochsommer aufgenommen!). Höhenkrankheit bekam ich keine, aber damit hatte ich auch auf höheren Bergen noch nie Probleme – das ist von Person zu Person unterschiedlich. Wichtig einfach: immer auf den eigenen Körper hören, angenehmes Tempo anschlagen, und viel trinken. Ach, und: es kann ganz schön eisig werden in der Nacht im Zelt! Ein Schal und ein Paar Handschuhe schaden nicht.

Ansonsten: Gutes Wandern! 

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