Pistencheck: Skischaukel Großarltal – Dorfgastein

erstellt am: 13.12.2016 | von: vanndann | in: Berg, Ski, Winter

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Obwohl das hier wirklich, ich schwöre, Ehrenwort, ein Pistencheck von der Skischaukel Großarltal – Dorfgastein wird, muss ich mit etwas Grundsätzlicherem anfangen. Ich bin ja eigentlich nicht die religiöseste Person der Welt, also, um ganz ehrlich zu sein – wie ich es mit der Religion halte ist: genau gar nicht. Durchgefallen bei der Gretchen-Frage (was mir im richtigen Leben den Titel Antichristin eingebracht hat, den ich dankend angenommen habe und seitdem wie ein Abzeichen trage), bin ich aber trotzdem nicht immun gegenüber allem, was religiös und rituell ist – besonders zu Weihnachten erwachen auch in meinem kalten, ja, wie nennt man das, Ketzerinnen-Herz ein paar spirituelle Funken. Deswegen ist genau jetzt auch der richtige Zeitpunkt, eine Beichte abzulegen.

Bloß, dass ich bei jedem Kirchenbesuch mit einer allergischen Reaktion reagiere – deshalb ist mein Beichtstuhl der Blog, der Priester, das seid ihr. Zwei Seelen wohnen nämlich, ach!, in meiner Brust, die ich jetzt endlich einmal niederschreiben muss:

Ich bin Österreicherin. Und kann nicht Skifahren.

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Schock! Entsetzen! Ein Aufschrei, jemand fällt in Ohnmacht – dann: Stille. Das ist die schreckliche dunkle Seite, die ich seit Jahren mit mir trage, die ungemütliche Wahrheit, die meine Identität als Alpenrepublikanerin befleckt. Ich bin es nicht würdig, in den Bergen aufgewachsen zu sein. (Hey, und war da nicht etwas mit einem Berg-Blog? Eine Internet-Präsenz, die auf Gipfeln beruht? Hat schon jemand einen Antrag gestellt auf Entzug der Berg-Blog-Berechtigung?) Und wenn wir schon dabei sind, jodeln kann ich auch nicht.

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Das ist jetzt relativ viel auf einmal, alle jene mit schwachen Nerven bitte setzen, tief durchatmen, weiterlesen. Snowboarden kann ich dafür nämlich schon, und das macht dann zumindest wieder einiges gut. Schön, ich kann jetzt nicht von mir behaupten, besonders gut oder geschickt zu boarden, ich kann nicht einmal sagen, dass es mich nie schmeißt und ich nur locker lässig über die Pisten gleite – aber wenigstens weiß ich, wo meine Füße auf dem Board hingehören und wie ich dann damit einen Berg runter rutschen kann.

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Letzte Woche konnte ich mir mein halbgares Snowboard-Wissen mal wieder selbst beweisen – und zwar war ich in Großarl und habe dort die Pisten getestet. Fazit? Die Schischaukel Großarltal – Dorfgastein hat jeden Fall bestanden; Die Hose, die ich mir für den Spaß vom Mann geliehen habe, muss dafür aussortiert werden, weil so nass war mein Hintern schon lange nicht mehr.

An dieser Stelle wäre vielleicht einmal eine Rechtfertigung angebracht – es ist ja nicht so, als würden mir die Skigebiete fehlen, in denen ich endlich einmal lernen könnte, zumindest eine Wintersportart so zu beherrschen, dass ich mich nicht jedes Mal beim Lift-Aussteigen fürchten muss, entweder selbst hinzufallen (ist dieses Mal nicht passiert) oder jemand anderen umzunieten (ist dieses Mal schon passiert). Das Großarltal ist zum Beispiel nur eine knappe Stunde von Salzburg entfernt und liegt damit sozusagen in meinem Hinterhof.

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Skigebiet, es liegt nicht an Dir – es liegt an mir. In den letzten fünf Jahren war ich einfach im Winter nicht in Salzburg, geschweige denn Bergnähe (mit Ausnahme des Jahres in Kirgistan, wo ich einmal Boarden ging und mir prompt das Handgelenk verstauchte).

Umso schöner war es, endlich mal wieder zuhause zu boarden und mir vorzustellen, dass jede Minute am Brett meine Technik erheblich verbessert und ich nächstes Jahr vielleicht schon gar nicht mehr hinfalle. Die Pisten in Großarl waren für diese Zwecke auf jeden Fall perfekt – niemals zu steil, abwechslungsreich, wunderschön und gut gepflegt. Sogar oder besonders dann, wenn es noch keinen echten Schnee gibt und jeder Zentimeter extra beschneit werden muss – aber gut, Dezember ist einfach wirklich noch Vor-Saison, muss man ehrlich sagen. Schnee, ich glaube noch an Dich.

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Und wenn ich schon dabei bin, alles wunderschön und super zu finden: Nach dem Snowboarden ist vor dem Glühwein, und den gibt es in Großarl am schönsten – allerschönsten! Ohne irgendwelche Übertreibungen! – Christkindlmarkt überhaupt. Das Spektakel nennt sich Salzburger Bergadvent und ist im Grunde genommen einfach ein sehr, sehr niedliches Bergdorf (Großarl) (surprise, surprise), das sich jedes Adventswochenende einfach zur Gänze in einen Weihnachtsmarkt verwandelt. Romantischer und weihnachtlicher geht fast nicht – oh, halt, doch, es gibt nämlich nicht nur Glühweinstände – wäre ja langweilig! – sondern auch singende Engerl, ein Christkindl-Postamt mit sehr gewissenhaften Schriftführerinnen, flauschige Tiere, Keksbackstuben und einen Krippenweg. Genau der Christmas-Overload, den ich mir nach zwei konsekutiven Weihnachten am Strand wünsche.

Wenn ich das mit dem Beichten richtig verstanden habe, folgt danach die Buße und das Reuegebet. So (ähnlich) also auch hier: Ich verspreche nämlich, diesen seltenen Winter zuhause gut zu nutzen und mich österreichischer zu verhalten. Pisten, möget ihr kommen, meine tägliche Übung gebet mir heuer, vergib mir meine Jahre der schlechten Technik! Vielleicht wird es ja sogar noch was mit den Skiern und mir, man muss ja nicht immer am Board stehen. Und an dem Punkt, an dem ich mich dann auch noch wirklich und ernsthaft für das Skifahren im Fernsehen zu interessieren beginne, werde ich wissen, dass aus dem ewigen Expat vielleicht doch noch was geworden ist – so, aus Alpensicht.

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Skischaukel Großarltal – Dorfgastein

Pisten: 80km
Liftanlagen: 17
Höhenlagen: 886hm – 2033hm
Preis für einen Tagespass: 50€/Erwachsene.r

Vielen Dank an Salzburger Land und Eva und Matthias von Fräulein Flora für die Einladung!
Mit dabei auf den Pisten und damit bestens dazu geeignet, meine Snowboard-Fails zu bezeugen, waren: Romeo und Kathi von Sommertage, Sonja und Moritz von Goldfasan, Vroni von Berghasen, Sabrina und Steffen von Feed Me Up Before You Go-Go, Lucie von Die Kremserin on the Go, Sara von L’Appetito Vien Leggendo, Rebecca von RebFre und Fanny von Fanny Staaf.

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