Heimkommen ist doch nicht so leicht

erstellt am: 22.12.2016 | von: vanndann | in: Kolumnen, Und So

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Um Vorurteilen gerecht zu werden, bemühe ich mich als gebürtige Österreicherin recht, auch ab und zu mal herrlich grantig zu sein. Zum Beispiel gibt es mindestens jeden Tag einen Moment der absoluten Grumpiness, und zwar immer dann, wenn ich irgendeinen Blogpost lese, der mit einem pauschalen Einleitungssatz beginnt.

Alle lieben Weihnachten; Heimkommen ist schön; Auf Zuhause ist immer Verlass; Immer mehr Leute machen X und Y; Home is where the heart is; ich spreng mich weg. Wenn ich lesen möchte, wie jemand nicht kreativ genug sein kann oder möchte, sich einen spezifischen Einleitungssatz auszudenken, dann schlage ich die nächste Frauenzeitschrift auf blättere in der Österreich. 

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Daheim ist, wo der Mattsee ist.

Zum Thema Heimkommen zu Weihnachten fiel mir dann aber trotzdem nur allgemeiner Blödsinn ein: Viele Menschen fahren für Weihnachten nach Hause; Weihnachten ist Familienzeit; Bli Bla Blu. Ekelhaft, wird abgeschafft. Also lieber der Einstieg mit persönlicher Geschichte. Bitte sehr, ich präsentiere:

Die letzten fünf Jahre war ich nur sehr selten in Österreich – wenn, dann ziemlich sicher zu Weihnachten. Die letzten zweimal habe ich aber sogar das ausgelassen. Dieses Jahr freute ich mich also schon doppelt und dreifach auf eine schöne Adventszeit zuhause, ein besinnliches Weihnachtsfest und ganz viel Weihnachtsstimmung. Heimkommen, besonders im Winter, war immer das Allerschönste – viel Schnee, Hüttenromantik und Glühwein mit Lebkuchen.

Irgendwie war das aber dann 2016 doch alles viel komplizierter als geplant, denn: Wenn man nach fünf Jahren im Ausland wieder in die Heimat zieht, dann ist das doch nicht immer so einfach wie gedacht. Auch Daheim gibt es nämlich lästige Aufgaben, anstrengende Menschen und nervenaufreibende Unannehmlichkeiten, die man sonst gerne vergisst.

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Bin ich nur eine Woche lang in Österreich, fasziniert mich alles: Ich kann in einem echten Supermarkt einkaufen! Ich trinke Bio-Tee und esse regionale Käse-Schmankerl! Ich fahre mit einem schönen Zug, und das auch noch schnell! Es gibt gutes Brot! Sogar Schwarzbrot! Perchtenläufe! Snowboard-Pisten und sichere Skilifte! Kurzum: Wenn man nur eine Woche im Jahr in Österreich verbringt, ist alles schön, gut und modern.

Ich dachte daher auch immer, dass ein Wieder-Nach-Hause-Ziehen das Einfachste der Welt wäre. Warum sollte es auch schwierig sein, zuhause zu wohnen, wenn ich hier so viel Schwarzbrot essen kann, wie ich will, und ganz nebenbei meine Wochenenden in den Alpen verbringe? Eben. Easy as pie. 

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Das Ende der Geschichte ist nicht schwer zu erraten: Hat sich herausgestellt, dass es doch nicht so leicht ist, wieder daheim zu wohnen. Wenn man seinen Freundeskreis, seine Wohnung, seine liebsten Supermärkte und seine Stammbuchhandlungen seit Jahren woanders hat, wenn Daheim nicht mehr Daheim ist, weil sich die Zeit auch hier nicht aufhalten lässt, wenn man nicht einmal richtig nach Hause zieht, sondern einfach nur in dieselbe Gegend, dann fühlt sich das Nach-Hause-Ziehen manchmal ein bisschen wie ein neues Weg-Ziehen an.

Zum Glück hab ich mit dem Weg-Ziehen schon viel Übung. Mein Vorsatz für die Weihnachtszeit und für 2017 ist also: Österreich so zu sehen, als würde ich gerade für eine Woche aus der Wahlheimat weit, weit entfernt zurück kommen. Das heißt: Das Schwarzbrot genießen, mit Freudentränen durch den SPAR rennen, Glühwein bis zum Umfallen trinken und den diem verdammt viel carpen.

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