Bücherliebe: The Humans (Ich und die Menschen)

erstellt am: 24.03.2017 | von: vanndann | in: Buch, Englisch

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The Humans Buch Matt Haig Ich und die Menschen Rezension

Bilder via booknephilim, dreamofbooksandpages

Man kann den Ausdruck wirklich nur als deppert bezeichnen, der sich da auf meinem Gesicht abzeichnete, als ich mein Packerl öffnete. Ich und die Menschen fiel mir aus dem Karton entgegen, von Matt Haig. Mit diesem Titel. Auf Deutsch.

Dabei bin ich doch einer dieser eingebildeten Literatur-Snobs, die Bücher grundsätzlich nur in Originalsprache lesen! Ich rümpfe meine Nase beim Anblick von Die Glasglocke mit Verachtung, schüttle mich, wenn mir jemand Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug verkaufen will, achte bei Romanen von Kundera penibel darauf, nur die der tschechischen Phase auf Deutsch zu lesen – danach, évidemment, nur mehr auf Französisch. Kurzum: Ich bin oft sehr anstrengend.

Jedenfalls: Originalsprache all the way, also, wenn es geht. Und auf Englisch, ja, da kann man sagen, geht es.

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Ich und die Menschen wäre ja theoretisch auf Englisch

Was mir aber aus meinem Packerl in die Hände fiel, war alles andere als Originalsprache. Ebendiese verschlug es mir einen Moment lang, den ich nutzte, darüber nachzudenken, welchen Grad an Ärger ich mir erlauben und an wen sich dieser richten sollte. Zumindest die zweite Frage klärte sich recht schnell: Da ich ein unerschütterliches Urvertrauen in Unternehmen habe, deren Geschäftsmodell beinhaltet, für Bücher keine Versandkosten zu verrechnen, konnte der Fehler leider nur bei mir liegen. Also: zähneknirschend trotzdem lesen. Auch, wenn es auf Deutsch ist.

Im Nachhinein ärgert es mich doppelt, denn das Buch war so gut, das wäre im Original bestimmt noch einmal schöner gewesen – wer das also auch lesen möchte, vielleicht beim Bestellen doppelt checken, was man da macht. Oder gleich einfach ins Buchgeschäft gehen, das ist sowieso in jeder Hinsicht besser.

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Die Riemannsche Vermutung und ein Alien mit Auftrag

Rein inhaltlich klingt The Humans so ein bisschen Sci-Fi, thematisch geht es hier aber um Alltägliches – und die Schönheit, die im Mensch-Sein steckt. Der renommierte Cambridge-Professor Andrew Martin löst die Riemannsche Vermutung und damit eines der größten Rätsel, die zwischen uns Menschen und utopischem Fortschritt stehen. Das lässt bei anderen Lebensformen im All sofort die Alarmglocken läuten: Die Menschen sind mit ihrer Gier, ihrem Hass und ihrem rückschrittlichen Denken noch nicht bereit für die Vielzahl neuer Möglichkeiten. Andrew Martin wird also kurzerhand durch einen Vonnadorianer ersetzt, der sich schleunigst daran machen sollte, alle und jedwede Spuren des mathematischen Durchbruchs zu beseitigen.

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Ekelhafte Rechtecke und wirklich unnötige Kleidung

Der Außerirdische ist von allem abgestoßen, was er auf der Erde findet. Wie im Rest des Alls angenommen, sind die Menschen wirklich ekelerregend und erschreckend niedrige Lebewesen – sie tragen unnötige Schichten über ihrem Körper, essen Brechreiz hervorrufende Lebensmittel und ordnen alles in der hässlichsten Form des Universums, dem Rechteck. Der Vonnadorianer analysiert menschliches Verhalten und Gewohnheiten, lernt das menschliche Dasein schließlich dann auch kennen und lieben.

Was als eine ziemliche Basic Bitch von Idee beginnt – Außerirdischer kommt auf die Erde, findet alles komisch – entwickelt sich schnell an eine liebevolle Ode an die Menschlichkeit.

Alltägliche Tätigkeiten, Vorlieben und soziale Regeln verwandeln sich beim Lesen des Buches auf einmal in absurde Strukturen, die vielleicht nicht so selbstverständlich sind, wie es sich oft anfühlt. Auf gefühlt jeder dritten Seite hält man kurz inne, lacht – und startet sofort mit der am nächsten befindlichen Person eine Diskussion, wie eigenartig es eigentlich wirklich ist, dass wir jeden Tag mit dem Auto fahren, gleichzeitig Zero Waste feiern. Oder, dass wir ständig von Frieden reden, trotzdem aber Krieg verherrlichen.

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Das an sich würde schon ein akzeptables Buch ergeben, weil man doch immer gerne darüber liest, wie verschroben, aber doch liebenswert wir im Grunde genommen sind. Matt Haig aber schreibt mit so viel Humor und Witz, dass man darüber sogar vergisst, dass das Thema schon ein bisschen ausgelutscht ist – oder, dass man eigentlich gar kein Sci-Fi mag. Wenn das Buch schon nicht auf Englisch war, dann wenigstens mein Lob dafür: Kudos, Matt Haig. Gut gelöst.

Kurz also: Ich und die Menschen ist ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch, das sich leicht liest und trotzdem irgendwie hängen bleibt. Sympathisch ist vielleicht das Wort, das es am besten beschreibt – ein Buch, an das man sich gerne (und oft) erinnert. Sogar für Leute, die normalerweise nicht auf Sci-Fi stehen.

Bilder für verträumte Hipster Schmipster Collagen von unsplash.com

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