Weitwandern am Salzsteigweg 1: Tauplitz – Hochmölbinghütte

erstellt am: 04.06.2017 | von: vanndann | in: Berg, Sommer, Wandern

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Mein Wanderherz mag zwar alle Touren, aber schlagen tut es für die weiten. Tagelanges streifen durch die Alpen, mit viel Ausdauer, etwas Kraft, und vor allem mentaler Stärke: für mich mein Wander-Sahnehäubchen. Dieses Jahr war ich deshalb wieder weitwandern, und zwar am österreichischen Weitwanderweg 09, besser als Salzsteigweg bekannt. Am ersten Tag ging es von Tauplitz über die Tauplitzalm bis zur Hochmölbinghütte - wie's war, steht hier.

Mein Wecker läutet früh. Zu früh. Ich bin wirklich nicht eine dieser Wanderinnen, die mit Begeisterung im Dunklen aufstehen, um in den frühen Morgenstunden das schöne Bergwetter auszunutzen. Frühestens am Berg werde ich wieder fröhlich - die Zeit, in der ich noch schlaftrunken in meiner Wohnung herum tapse und mit Müh und Not einen Kaffee aufstelle, ist allerdings reserviert für mich und meine Grantigkeit.

Als ich noch unzufrieden mein Müsli mampfe, sitzt Lisa schon im Zug, also kann ich mir eine Verspätung nicht erlauben. Wenn wir es heute noch bis zum Tagesziel schaffen wollen - der Hochmölbinghütte im steirischen Teil des Toten Gebirges - darf ich die erste Bahn Richtung Berge nicht verpassen.

Salzsteigweg Tauplitz Tauplitzalm Alpen Steiermark
Salzsteigweg Tauplitz Tauplitzalm Alpen Steiermark

In Linz steige ich ein, nicht sehr viel später in Tauplitz wieder aus. Noch vom Zug aus sehen wir die Bergbahn, die uns die verlorenen Stunden der Anreisezeit wieder wett machen soll. Was wir noch nicht sehen: dass der Lift sich keinen Zentimeter bewegt.

Kurz nach dem Bahnhof Tauplitz begrüßt uns ein Schild: Bergbahn wegen Revisionsarbeiten geschlossen. . Wir zucken mit den Schultern und stellen uns auf einen langen Tag ein. Wandern müssen wir ja sowieso, zwei Stunden mehr oder weniger fallen da nicht ins Gewicht.

Salzsteigweg Tauplitz Tauplitzalm Alpen Steiermark

In der prallen Sonne folgen wir dem Forstweg bis hinauf zur Tauplitzalm. Hinter uns wacht eindrucksvoll der Grimming, über unseren Köpfen steht starr der leere Sessellift. Kein Lufthauch bewegt die schweren Seile, kein kühlender Wind fährt uns durch die Haare. Wir ziehen unsere Kappen tiefer ins Gesicht und waten langsam durch die heiße Luft nach oben.

Am Plateau begrüßt uns dann erstmals so etwas wie erfrischende Kühle, sogar Schnee liegt noch vereinzelt. Tagesausflügler spazieren gemütlich durch die vielen Almhütten, die hier vorwiegend den Winterbetrieb schmeißen. Auf der Terrasse des Tauplitzhauses sitzen ein paar Menschen und sonnen sich - sie sind mit dem Auto hier. Wir trinken einen Radler, schlagen die Wanderkarte auf und besprechen die Lage.

Eigentlich hat unser Tagesziel, die Hochmölbinghütte, noch nicht offen. Eigentlich ist nämlich noch Mai, und eigentlich öffnet sie erst im Juni. Eigentlich sollten wir also zur Spechtenseehütte weiter wandern, drei Stunden mehr.

Fazit der Besprechung: Erst mal egal. Die Richtung stimmt, was dann kommt, wird sich ergeben. Wir schultern die schweren Rucksäcke und wandern am Plateau entlang, rechts vorbei am Großsee, dann links um den Steirersee. Die schneebedeckten Gipfel des Toten Gebirges im Norden winken aus der Ferne, hier aber geben sich die ansonsten so felsigen Berge ganz zahm. Nur ein paar Schneefelder liegen in unserem Weg, auch der See trägt noch Eis, ansonsten: Sommer, Sonne, Sonnenschein. Wir schmieren vorsorglich noch einmal mit Sonnencreme nach.

Steirersee, 1445m

Gegen Abend erreichen wir den Grimmingboden. Es ist ruhig hier, der Grimming (dieses Mal der Fluss, nicht der Berg) schlängelt sich gemächlich durch die grüne Landschaft, am Waldrand erschrecken wir ein Reh. Nur mehr ein kurzer Anstieg, dreihundert Höhenmeter, dann wartet die Hochmölbinghütte. Wir stärken uns kurz mit einem Müsliriegel, es geht los. Fast vergessen ist die Tatsache, dass auf der Website der Hütte immer noch groß GESCHLOSSEN prangt.

Fünfzehn Minuten vor unserem Ziel passieren wir die Sumperalm, gehüllt in die goldene Abendsonne. Hier sind auch die letzten Höhenmeter überwunden, es geht nur mehr sanft hinab. Wir sehen das Dach der Hütte. Einen aufgespannten Sonnenschirm. Licht! Es ist jemand da.

Wir haben wirklich Glück. Kaum sind wir angekommen, tritt der Hüttenwirt ins Freie:

Woher kommt's denn ihr um diese Uhrzeit?

Noch fast im selben Atemzug fragt er uns, ob wir einen Schlafplatz brauchen. Zu Essen gäb's sogar auch schon was. Wir bejahen einfach alles voller Freude, lassen die Rucksäcke für heute auf den Boden fallen und bestellen erst einmal einen großen Radler. Bei einer wärmenden Frittatensuppe sehen wir der Sonne beim Untergehen zu, sitzen draußen, so lange es geht. Und vor allem: Freuen uns, dass wir uns die drei Stunden Wegzeit zur nächsten Hütte sparen konnten.

Zum Nachmachen:

Ausgangspunkt: Bahnhof Tauplitz (896m) im steirischen Salzkammergut

Zielpunkt: Hochmölbinghütte (1683m)

So wandert man: Vom Bahnhof Tauplitz über die Forststraße der Bahn entlang bis zur Tauplitzalm (circa zwei Stunden). Vom Tauplitzhaus am Hochplateau entlang zum Groß- und Steirersee, weiter bis zur Leistalm (1647m), wo man auch bald auf den richtigen Salzsteigweg 09 trifft (der eigentliche Weg kommt vom nördlichen Hinterstoder, diesen Zustieg über Tauplitz fanden wir aber spannender). Ab hier geht es leicht bergab zum Grimmingboden (1496m), weiter hinauf zur Sumperalm (1755m) und schließlich die letzten fünfzehn Minuten wieder hinunter zur Hochmölbinghütte (1683m) (circa fünf Stunden).

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