Weitwandern am Salzsteigweg 2: Hochmölbinghütte – Schrabachalm

Der zweite Tag der Weitwanderung am Salzsteigweg sollte eigentlich ein kurzer werden - hätten wir nicht am Nachmittag noch beschlossen, 20 Kilometer mehr dranzuhängen. Ob wir trotzdem bis zum Ziel gekommen sind? Weiterlesen. (P.S.: Tag Eins der Wanderung findet ihr hier.)

100 Höhenmeter. Das ist alles. Unsere Tagesetappe führt uns von der Hochmölbinghütte über das Gott-Sei-Dank-Bankerl hinunter zum Spechtensee , von dort dann ins Tal nach Aigen im Ennstal - mehr als hundert Meter nach oben sind da nicht drin.

Langsam machen wir uns also auf den Weg, Stress haben wir heute wirklich keinen. Wo wir gestern noch zusehen mussten, schnell bei unserer Hütte zu sein, um im Notfall, falls diese noch geschlossen hatte, drei Stunden weiter zur nächsten zu wandern, genießen wir heute den Weg und das Panorama. Beim Gott-Sei-Dank-Bankerl schlagen wir ein: Alle Höhenmeter für heute erledigt!

Salzsteigweg Schrabachalm Steiermark Österreich Weitwandern

Rund um den Spechtensee (1050m) sind blühende Wiesen, Insekten schwirren durch das satte Grün. Wir machen Mittagspause und ruhen uns am Ufer des kleinen Sees aus, bis es uns in der Sonne zu heiß wird und wir wieder die Rucksäcke schultern. Es geht kurz wieder bergauf, durch den Wald dann hinab bis nach Stainach.

Kurz vor der Ortstafel sitzt ein älterer Mann am Wegesrand, sein großer Rucksack, gut gefüllt, rastet neben ihm.

Sad's scho in'dn See eini ghupft?, ruft er uns zu. Wir bleiben kurz stehen, erzählen ein bisschen. Fragen, ob er auch oben am See war.

Nein, er nicht - er ist auf Schwammerlsuche. Baumschwamm, um genau zu sein, den sucht er nämlich. Neben einer Axt verstecken sich in seinem großen Rucksack einige Exemplare seiner Sammlung. Aus dem Material wurden früher Pflaster gefertigt, der Zunder im Baumschwamm ist auch heute noch beliebt bei Esoterikern und Schamaninnen. Er jedoch zimmert Figuren und Krippen aus den Gewächsen, Schwammerl-Peter, so kennt man ihn.

Er packt immer mehr Schwämme aus, um einen guten zu finden, an dem wir sehen können, wie elastisch das Material ist. Nur, dass er heute leider keine Figuren dabei hat, sei schade, meint er; normalerweise würde er uns ein kleines Manderl mitgeben. Aus einem Stapel Fotos sucht er die von seinen Kunstwerken, zeigt uns die Krippen, Männchen und Anhänger, die sich aus dem Schwamm formen lassen.
Zum Abschied schenkt er uns jeweils einen kleinen Baumschwamm, den wir ab sofort im Rucksack verstauen und mit auf Weitwanderung nehmen. Seine Visitenkarte - einen Zeitungsartikel mit seiner Anschrift - falten wir zusammen und stecken sie zu den Wanderkarten. Einen Ratschlag gibt uns Schwammerl-Peter auch noch mit auf den Weg: "Nur dem Dummen ist langweilig!". Gut ausgerüstet schlendern wir weiter nach Stainach.

Im Ort angekommen nehmen wir uns erst einmal Zeit für eine Pause im Gasthaus. Höhenmeter schon alle hinter uns, den Weg auch fast zurück gelegt - Tag zwei ist ein entspannter.

Es ist halb drei Uhr Nachmittags, wir genießen das schöne Wetter im Gastgarten vom Wirten gleich im Zentrum, als uns dann einfällt - warum eigentlich schon aufhören? Wenn wir heute noch ein bisschen vom Weitwanderweg 09 abweichen, einen Abstecher ins Paralleltal nach Donnersbach und weiter zur Schrabachalm machen, dann überspringen wir eine Tagesetappe. Und lösen ganz nebenbei das Problem, dass alle Hütten für den nächsten Tag geschlossen sein zu scheinen.

Ein kurzer Anruf bei der Schrabachalm genügt und wir sind für den Abend angemeldet. Achtung, wir kommen wirklich erst spät!, betonen wir dreimal am Telefon. Aber wir kommen.

Punkt drei Uhr schnüren wir die Rucksackgurte fester, packen die Wanderstöcke und verlassen den Salzsteigweg. Stattdessen schlagen wir den Weg Richtung Donnersbach ein. Wir haben noch 20 Kilometer vor uns. Der Tag wurde gerade um Einiges länger.

Über den Erlsberg führt der Weg bis nach Donnersbach. Hinter uns sammeln sich dunkle Gewitterwolken rund um den Grimming, der uns auch heute wieder von der Ferne beobachtet. Wir bewundern das Naturschauspiel und wandern weiter Richtung Sonne, während in Stainach vermutlich erste Regentropfen fallen.
Bei Donnersbach müssen wir einen Teil des Weges an der Bundesstraße zurücklegen. Die Donnersbachklamm, die kurz nach dem Ort beginnt, gleicht das aber wieder aus - der rauschende Bach fließt durch einen dicht bewachsenen Wald, Moos hängt von beiden Seiten bis zu unseren Köpfen herab, unter unseren Beinen wachsen bunte Blumen in schillernden Farben.
Mal bergauf, mal bergab windet sich der Weg durch die enge Klamm. Auf Holzwegen und dünnen Brücken wandern wir am Flusslauf entlang, unter Felshängen und vorbei an kleinen Bergkapellen. Langsam wird es dunkler, es kühlt merklich ab. Nach der Klamm beginnt ein langer Aufstieg, wir bleiben im T-Shirt. Die Höhenmeter werden uns warm halten.

Der letzte Abschnitt ist nicht anstrengend, aber lange. Wir folgen den Markierungen höher und höher, tiefer ins Tal hinein, bis wir uns nicht mehr sicher sind, ob wir uns noch am richtigen Weg befinden. Es ist halb neun, die Sonne ist schon fast weg.

Gerade, als wir die Wanderkarte auspacken wollen, sehen wir vor uns ein paar Kühe, einige Menschen, einen Almauftrieb.

Wo wollt's denn ihr heute noch hin?
Zur Schrabachalm!
Ah! Zu uns! Ihr habt's eh vorher angerufen, ge?

Vor uns steht Hans, Hüttenwirt und Bergbauer. Er und seine Familie haben gerade den zweiten Schwung Kühe auf die Sommeralm gebracht, hier werden sie die warmen Monate verbringen. Die Schrabachalm liegt eigentlich fast um die Ecke, zwei Kilometer fehlen uns noch. Wir sind erleichtert - nicht verlaufen, und auch noch im letzten Sonnenlicht angekommen! Die Stirnlampen bleiben erst einmal eingepackt.

Nach elf Stunden Gehzeit haben wir das Ziel erreicht. Birgit, Hans' Frau und Hüttenwirtin auf der Schrabachalm, versorgt uns erst einmal mit Schlafplatz, heißer Dusche (!) und den besten steirischen Spezialitäten im Land - nicht ohne Grund wurden die Almbutter, der Frischkäse und andere Schmankerl hier mehrmals ausgezeichnet. Besser kann man den längsten Tag der Weitwanderung kaum ausklingen lassen...

Zum Nachmachen:

Ausgangspunkt: Hochmölbinghütte (1683m)

Zielpunkt: Schrabachalm (1300m)

So wandert man: Von der Hochmölbinghütte hundert Meter bergauf zum Gott-Sei-Dank-Bankerl, von dort an bergab bis zum Spechtensee (1051m) (zwei - drei Stunden). Dann weiter nach Stainach (655m). Von Stainach über den Erlsberg nach Donnersbach (713m), durch die Donnersbachklamm hinauf bis zur Schrabachalm (1300m). Wir waren gemütlich unterwegs und wanderten insgesamt 11 Stunden.

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