Weitwandern am Salzsteigweg 3: Schrabachalm – Mörsbachhütte

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Der dritte Tag der Weitwanderung am Salzsteigweg führt uns von der Schrabachalm auf die Planneralm , über den Karlspitz hinab nach Donnersbachwald und schließlich wieder ein paar Höhenmeter nach oben zur Mörsbachhütte. Wer sich jetzt nicht auskennt: hier gibt es Tag 1 und Tag 2 zum Nachlesen.
Ab heute wird das Wetter schlecht. So steht es zumindest im Internet, und was im Internet steht, kann nicht falsch sein. Während ich meinen Morgen also damit verbringe, mir ein Maximum an Sorgen zu machen, ob wir wohl in ein Gewitter am Berg kommen, wie nass wir sein werden, wie warm mich meine Regenjacke halten wird und ob da oben noch recht viel Schnee liegt, ist Lisa schwer damit beschäftigt, ihre Augen über mich zu verdrehen.
Dass wir sowieso nichts am Wetter ändern können, sehe ich erst mal auch ein und gehe also mehr oder minder beunruhigt frühstücken. Es gibt selbstgebackenes Brot, preisgekrönte Almbutter, Frischkäse und intensiv duftenden Steirerkäse, von dem wir mit anfänglichem Misstrauen ein wenig auf unser Butterbrot streuseln - und dann begeistert nachladen. Geschmacklich ist er mindestens so umwerfend wie auch olfaktorisch, im besten aller Sinne.
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Nach dem Frühstück können wir es nicht lassen und fragen Hans, den Hüttenwirt und Bauern auf der Schrabachalm, ob er uns noch kurz seine kleine Sennerei zeigt. Wenig später wissen wir bestens darüber Bescheid, wie man Steirer- und Frischkäse herstellt, und sind bereit für den Tag. Fast hätte ich über all das Käse-Wissen sogar schon meine Wettersorgen vergesen - aber eben nur fast. Während wir mit dem langen Aufstieg zum Karlspitz (2126m) beginnen, überlege ich mir für jeden Wetternotfall eine Strategie. Lisa lacht mich immer noch aus. Frech.

Den ersten Abschnitt unseres Weges teilen wir uns mit den Kühen und Ziegen von Hans und Birgit. Vorsichtig mache ich einen großen Bogen um alle Kuh-Mütter mit ihren Kälbern, während Lisa mir versichert, dass ich mich mit meinen Wanderstecken ohnehin sehr gut verteidigen könne. Ich bin mir nicht ganz sicher, woher sie dieses große Vertrauen in meine Fertigkeiten mit Wanderstecken nimmt, und teile es daher grundsätzlich schon mal überhaupt nicht. Die Kühe mit ihren Kälbern schauen allerdings nur neugierig, daher finde ich heute nichts über den Wahrheitsgehalt von Lisas Urvertrauen heraus.

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Nach etwas mehr als 200 Höhenmetern erreichen wir die Planneralm. Wären wir gestern am Salzsteigweg geblieben, wäre heute hier unser Etappenziel gewesen - mit unserer Variante haben wir aber einen Tag übersprungen und passieren das Skigebiet nur kurz, bevor es weiter nach oben geht.

Wie gut unsere gestrige Entscheidung wirklich war, sehen wir erst, als wir langsam durch die verlassenen Häuser schlendern. Obwohl es hier Zimmer genug gäbe, ist eine Übernachtung im Sommer ohne Zelt fast unmöglich. Die einzige Hütte, die zumindest online noch den Anschein gibt, bewirtschaftet zu sein, wurde vor Kurzem dem Alpenverein abgekauft und ist seitdem geschlossen. Wir zählen laut eine Liste von Horrorfilmen auf, an die uns die Planneralm im Sommer erinnert (Lisa stimmt für House of Wax, aber auch The Hills Have Eyes ist ganz weit vorne dabei). Dass überall Figuren von wilden Tieren stehen, auf die man in wenigen Wochen Bogenschießen kann, macht das Ganze nicht wirklich weniger unheimlich.

Zügig steigen wir zur Skipiste auf, die jetzt ausgetrocknet und kahl vor uns liegt. Nur mehr wenige Schneefelder liegen hier oben, in ein paar Tagen werden wohl auch sie ganz verschwunden sein. Mit jedem Schritt eröffnet sich uns ein schöneres Panorama. Wir wandern links am Glasbodenlift vorbei, bei der Bergstation essen wir einen Müsliriegel und lassen unsere Blicke etwas schweifen.

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Lange bleiben wir nicht, schließlich haben wir noch viel vor. Wir wollen weiter zum Karlspitz und vielleicht noch auf die Schoberspitze (Lisa) und brauchen außerdem noch ausreichend Zeit, um uns den Kopf über die Wettersituation zu zerbrechen (ich). Bis zum Gipfel wandern wir auf einem schmalen Grat, über Felsen und tiefgrüne Latschen. Immer wieder müssen wir über Schneefelder, die zwar fest und kompakt am Bergrücken liegen, uns aber trotzdem einige Zeit kosten.

Als ich vor drei Tagen in meiner Haustüre in Linz stand, traf ich spontan die Entscheidung, nicht mit Wanderschuhen zu gehen, sondern stattdessen meine einfachen Turnschuhe einzupacken - eine Entscheidung, die ich jetzt anfange, zu hinterfragen. Ich bin ziemlich nervös, als ich so ganz ohne Profil die ersten Schritte am rutschigen Schnee mache, erkenne aber selbst irgendwann, dass meine Unruhe unbegründet ist. Wo meine Trittsicherheit nicht ausreicht, helfen die Wanderstöcke nach.

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Auf dem Karlspitz bläst ein starker Wind, dunkle Wolken türmen sich am Horizont. Wir beschließen, den Umweg zum zweiten Gipfel sein zu lassen, tragen uns kurz ins Gipfelbuch ein und machen uns an den Abstieg. Kaum haben wir die Nordseite hinter uns gelassen, ist von Schnee keine Spur mehr zu sehen, und wir wandern durch sommerliche Wiesen und hohes Gras. Erleichterung - ohne Gewitter über den Berg gekommen. Dass der schwierigste Teil des Tages noch vor uns liegt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
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Von einer gewissen Grundsportlichkeit einmal abgesehen sind wir beide der Meinung, dass es beim (Weit-)Wandern vor allem um mentale Stärke geht - und die wird am Weg nach Donnersbachwald so richtig auf die Probe gestellt. Schweigend wandern wir die tausend Höhenmeter hinab bis ins Tal. Der Weg zieht sich, wir kommen nur langsam nach unten. Noch dazu wissen wir, dass nach dem langen Abstieg eine Bundesstraße auf uns wartet, a.k.a. die schrecklichste aller Straßen. Wanderwege, die man sich mit Autos teilt, mögen wir nicht. Ü-ber-haupt. Nicht.
Wie immer nach langen Strecken, die bergab führen, beginnen meine Knie zu schmerzen. Mühsam kämpfe ich mich vorwärts, abwärts, einfach weiter. Ich erkläre mir selbst hunderte Male in meinem Kopf, dass ohne Stecken alles nur noch schlimmer wäre. Dass ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Recht habe, tröstet mich leider wenig - es geht trotzdem bergab, der Weg will trotzdem nicht enden, mein Kopf streikt. Nicht einmal Lisa ist besonders glücklich über den langen Abstieg, was für eine Person, die konstant gute Laune hat, ziemlich viel aussagt.
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Wir greifen zu härteren Mitteln. Am Weg nach Donnersbachwald singen wir. Irgendwann ist auch der Teil auf der Bundesstraße geschafft, wir finden ein Hotel mit Gastgarten, trinken ein Spezi. Der Zucker tut gut, eine kurze Pause auch, und auf einmal ist alles wieder viel leichter. Es liegen noch ungefähr 300 Höhenmeter nach oben vor uns, wir sind schnell. Nach nicht einmal einer Stunde kommen wir auf der Mörsbachhütte an - unser Tagesziel.

Eine Minute, nachdem wir unsere Rucksäcke abgestellt und uns auf einer Bank vor der Hütte entspannen, beginnt es zu regnen. Wir bestellen Spinatknödel und Bauernkrapfen und stoßen auf das gute Timing an - nicht einmal die Regenjacke haben wir gebraucht. Zum Glück hat sich niemand von uns den ganzen Tag lang Sorgen gemacht, das wäre ja verschwendete Energie gewesen.

Am Ende des dritten Tages sinken wir zufrieden in unsere Betten. Mein Körper ist an allen möglichen Stellen angeschwollen, wie er das gerne macht, wenn ich mit ihm weitwandern gehe - gut, dass der morgige Tag ganz kurz wird. Mit der Aussicht auf einen entspannten vierten Tag und dem Geräusch von einem Sommergewitter schlafen wir ein.

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Zum Nachmachen:

Ausgangspunkt: Schrabachalm (1300m)

Zielpunkt: Mörsbachhütte (1300m)

So wandert man: Von der Schrabachalm zuerst hinauf zum Skigebiet Planneralm (ca. 1600m). Am Glasbodenlift entlang auf den Bergrücken, dann weiter bis zum Karlspitz (2126m). Durch den Wald und teilweise am Forstweg bis ins Tal, das letzte Stück an der Bundesstraße entlang bis nach Donnersbachwald (960m). Von dort auf einem Forstweg hinauf zur Mörsbachhütte (1300m). Insgesamt circa 7 Stunden Gehzeit.

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