Weitwandern am Salzsteigweg 4: Mörsbachhütte – Erzherzog-Johann-Hütte

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Bei der Routenplanung war uns der vierte Tag der Weitwanderung am Salzsteigweg schon ein Dorn im Auge - ein großer Teil des Weges führt hier an einer Bundesstraße entlang. Ein heftiges Gewitter, Knieschmerzen und, ach ja, eine Bärensichtung (!) erschwerten uns die vorletzte Etappe noch zusätzlich - wir sind aber trotzdem von der Mörsbachhütte bis zur Erzherzog-Johann-Hütte im Sölktal gekommen. Fast den ganzen Weg zu Fuß. (P.S.: Hier klicken für Tag Eins, Zwei und Drei der Weitwanderung!)
Wir wachen mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Ich liebe es, wie schnell sich die innere Uhr nach ein paar Tagen Weitwanderung auf die neuen Tagesabläufe einstellt - früh aufstehen, viel Anstrengung, bald ins Bett fallen, sofort einschlafen. Der Schlaf tat gut, die Schwellungen vom Vortag sind schon etwas zurückgegangen. Ich weiß trotzdem: Heute muss ich mich schonen. Auch aus Rücksicht auf meine Knie, die schon wieder stechen. Die vererbte Knie-Krankheit ist einfach kein großer Weitwandern-Fan, egal, wie oft versuche, das zu ändern.
Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Mörsbachhütte, wo die Hüttenwirtin wohl Mitleid mit uns Vegetarierinnen hat und mit Kuchen, gekochten Eiern, frischen Erdbeeren und generell einem Buffet, das jedes Hotel im Tal erblassen lassen würde, versucht, uns mit so vielen Kalorien wie möglich zu füllen, machen wir uns auf den Weg. Der Plan: einmal kurz über die Gstemmerscharte (1996m), hinüber und hinab nach Mößna ins Sölktal, dann per Autostopp zur Hütte. Zu Fuß stünden 14 Kilometer Bundesstraße zwischen Mößna und unserem Tagesziel, darauf haben wir beide keine Lust.
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Salzsteigweg Erzherzog Johann Hütte Mörsbachhütte Sölktal

Am Weg zur Scharte treffen wir eine Wanderin, die langsam nach oben steigt. Sie ist Schafbäuerin, auf dem Weg zur sommerlichen Weidefläche. Ihre Schwiegertochter ist schon etwas weiter oben unterwegs, um zu sehen, ob die Schafe schon aufgetrieben werden können. Wir plaudern kurz, steigen weiter auf.

Ein paar Minuten später kommt uns jemand entgegen. Wir sind gerade so hoch gestiegen, dass der Schnee hier noch nicht ganz geschmolzen ist. Trittsicher bahnt sich eine Frau den Weg durch das Weiß, umgeht manche Felder durch das Gestrüpp. Die Schwiegertochter.

Geht's ihr noch nach ganz oben?, fragt sie.
Ich hab mich alleine nicht mehr weiter getraut.

Wir bejahen - egal, wie viel Schnee noch liegt, wir müssen über die Scharte, es führt kein Weg daran vorbei. Die Schafbäuerin entschließt sich, sich bei uns anzuhängen und den Weg nach oben noch einmal zu probieren. Gemeinsam klettern wir weiter, jetzt etwas schneller und zielsicherer als noch vor ein paar Minuten - unsere neue Wanderbegleitung legt gutes Tempo vor.

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Vorsichtig die nassen Schneefelder umgehend, plaudern wir mit unserer neuen Begleitung. Oder vielmehr, Lisa plaudert, denn ich habe rechte Mühe, bei dem Tempo noch nachzukommen.

Ja, wegam Schnee bin ich nicht weiter,, erzählt die Schafbäuerin. Und der Bär!

Welcher Bär? Wir fragen vorsichtig nach. Bisher wähnte ich mich in der trügerischen Gewissheit, dass Bären und Wölfe zwar gemeingefährlich sind (wie unzählige Google-Suchen zu diesem Thema bestätigten) (Faszination Bär und Wolf - ich habe sie), aber in den Alpen genau niemals zum Problem werden.

Im Sölktal ist ein Bär gesichtet worden! Die haben sogar schon ihre Schafe wieder runter getrieben.

Oh no, denke ich noch und stecke auf einmal bis zum Oberschenkel im Schnee. Meine beiden Vorwanderinnen laufen zügig weiter, ich kämpfe damit, meine Wanderstöcke so weit zu koordinieren, um mich aus dem kalten Nass zu hieven. Das ist der Moment der Erkenntnis: Ich bin the weakest link.

Und wenn ich das schon merke, merkt das der Bär bestimmt auch.

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Auf der Gstemmerscharte angekommen eröffnet sich uns der Blick hinunter ins Sölktal. Auf den grünen Wiesen grast wirklich kein einziges Schaf - und auch den Bären sehen wir nicht.

Nur, dass wir ihn nicht sehen, heißt nicht, dass er uns nicht sieht, denke ich bei mir.

Unsere Begleitung meint, dass uns zu zweit nichts passieren kann. Außerdem haben wir Wanderstöcke. Ich frage mich, woher das kommt, dass Wanderstöcke anscheinend das Allzweckmittel gegen alpine Gefahren sind? Gut gegen Kuh-Attacken, zur Schlangenbissprävention und anscheinend auch gegen Bären. Ich fühle mich nicht sonderlich beruhigt.

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Wir verabschieden uns von der Schafbäuerin, die wieder zurück zur Schwiegermama absteigt, und wandern weiter. Bis nach Mößna im Sölktal begegnet uns niemand mehr, auch nicht der Bär. Glück gehabt. Für heute.
In Mößna finden wir sogar noch genug Motivation, die ersten sechs Kilometer bis nach St. Nikolai zu Fuß zu wandern. Der Weg führt wirklich direkt an der Bundesstraße entlang, Cabrios am Weg zum Sölkpass flitzen an uns vorbei.
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Die Autodichte wird uns zu viel. Nach einer gemütlichen Rast in St. Nikolai überlegen wir, ob wir trotzdem weiter wandern sollen - bis es hinter uns laut donnert. Tiefschwarze Wolken hängen über der kleinen Dorfkirche, wenig später prasselt schon schwerer Regen auf unsere Rucksäcke. Wir suchen Unterschlupf in einer Bushaltestelle und gehen über zu Option Zwei: Autostopp. Bei jedem Auto springen wir wie zwei Verrückte auf die regennasse Straße, leider fährt niemand bei diesem Wetter in unsere Richtung.

Wir finden trotzdem noch ein Auto. Unser Fahrer wäre eigentlich gar nicht zur Erzherzog-Johann-Hütte gefahren, tut es dann aber trotzdem. Um drei Uhr Nachmittags sitzen wir in der trockenen Gaststube - unser kürzester Tag bis jetzt. Zeit genug, am Nachmittag die verschiedenen, selbst-angesetzten Schnäpse der Hütte zu verkosten. Es gibt schließlich auch Grund genug, anzustoßen - wir haben eigentlich, so in etwa, na ja ungefähr, so etwas wie eine Bärenattacke überlebt! Prost.

Zum Nachmachen:

Ausgangspunkt: Mörsbachhütte (1300m)

Zielpunkt: Erzherzog-Johann-Hütte (1490m)

So wandert man: Von der Mörsbachalm hinauf auf die Gstemmerscharte (1996m), dann gemütlich hinab ins Sölktal bis nach Mößna (1023m). Von dort an der Bundesstraße 14km bis nach St. Nikolai im Sölktal und weiter hinauf bis zur Erzherzog-Johann-Hütte (1490m). Dauer bis St. Nikolai: 5 - 6 Stunden.

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