Weitwandern am Salzsteigweg 5: St. Peter

St Peter Salzsteigweg Endstation Weitwandern Steiermark
Am letzten Tag der Weitwanderung am Salzsteigweg erreichen wir unsere Endstation: St. Peter am Kammersberg. Dafür müssen wir über die 2205m hohe Haseneckscharte, im schlechtesten Wetter bis jetzt. Ob uns das Gewitter eingeholt hat oder wir noch einmal trocken davon gekommen sind, lest ihr hier! (P.S.: Hier sind Tag eins, zwei, drei und vier zum Nachlesen!)
Es gewittert nicht. Das ist die gute Nachricht. Wir sitzen in der Erzherzog-Johann-Hütte und tun so, als würden wir den Alkohol von gestern nicht spüren. Vor nicht einmal 24 Stunden war ich noch überzeugt davon, dass der heutige Tag sprichwörtlich ins Wasser fallen würde - jetzt sieht das Wetter stabil aus. Stark bewölkt, aber definitv Wanderwetter. Mein Kater schnurrt, ich schnüre schläfrig meine Schuhe. Auf geht's.
Gleich zu Beginn erwartet uns der lange Aufstieg zur Haseneckscharte (2205m). Der Weg führt uns links am Sölkpass vorbei, fernab vom Motorengestank der Ausflügler am Pass. Über Stock und Stein geht es immer steiler bergauf. Wir werfen immer wieder Blicke hinauf ins Geröll - welche Scharte ist wohl unsere? Lange erkennen wir nichts, konsultieren die Karte, werden nicht schlauer. Spätestens oben werden wir mehr wissen.
Schutt Haseneckscharte St Peter Salsteigweg

Immer wieder ziehen Wolken an uns vorbei, streichen sanft über die umliegenden Gipfel. Felsige Kanten tauchen in den Nebel, erheben sich wieder aus der weißen Masse und verschwinden im nächsten Augenblick abermals. Von Gewitter ist keine Spur - wir trotten weiter.

Nach und nach schlägt der Weg eine eindeutige Richtung ein, wir glauben zu wissen, wo es hingeht. Auf 2000 Metern beginnt der Schnee, nur kleine Reste liegen in unserem Weg. Wir queren ein Schneefeld und klettern links an schmelzendem Eis vorbei, ansonsten ist der Weg so gut wie frei.

Salzsteigweg Weitwandern Steiermark Haseneckscharte St Peter Kammersberg
Salzsteigweg Weitwandern Steiermark Haseneckscharte St Peter Kammersberg

Kurz vor der Scharte sprießen auf einmal tausend weiße Blumen aus dem Boden. Über uns die Wolken, die sanft die Gipfel umspielen, rund um uns harter Fels und unter unseren Füßen ein Meer aus Blumen - so schön war der Salzsteigweg bisher noch nicht. Zügig gehen wir weiter, das Wetter und die Aussichten um uns motivieren. Es dauert nicht lange und wir stehen auf der Haseneckscharte. Geschafft! Das war der letzte Anstieg der Weitwanderung. Ab jetzt geht es nur mehr bergab.

Von hier oben sehen wir schon die Hütten, die uns im Tal erwarten. Das Mittagessen ruft. Während sich hinter uns die Wolken auftürmen und der Himmel langsam dunkler wird, wandern wir vergnügt Richtung Tal. Der Abstieg ist kurz und knackig, wir brauchen nicht lange, bis wir vor der ersten Einkehrstation stehen. Mir wird kurz schwer ums Herz: Ab hier beginnt der lange Forstweg nach St. Peter. Jetzt ist es so richtig vorbei mit dem Wandern.

Weitwandern Steiermark Salzsteigweg Haseneckscharte St Peter Kammersberg Endstation
Weitwandern Salzsteigweg Steiermark Haseneckscharte Endstation Letzte Etappe
Weitwandern Salzsteigweg Steiermark Haseneckscharte Endstation Letzte Etappe
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Gegen schwere Herzen gibt es nur ein Mittel: Bauernkrapfen mit Sauerkraut. Die gibt's in einer der Jausenstationen am Weg, wo wir auch gleich einkehren. Wir stoßen auf die gelungene Weitwanderung an: kein einziges Mal in den Regen gekommen! Keine Verletzungen! Großes Hütenglück! Prost, Prost, Prost und Mahlzeit.
Immer noch komplett den sich schwärzenden Himmel ignorierend packen wir ein letztes Mal unsere Siebensachen und wandern am Forstweg entlang. Nicht einmal meine Stecken packe ich hier aus, so flach und gemütlich verläuft der Weg. Als wir aus dem Tal treten drehen wir uns noch einmal um: der Himmel ist tiefschwarz. Oh je. Es geht los.
Haseneckscharte Salzsteigweg Weitwandern Steiermark St Peter Kammersberg
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Pünktlich in der Minute, in der wir das erste Ortsschild der Zivilisation in der Nähe von St. Peter am Kammersberg passieren, spüren wir die ersten Tropfen. Hundert Meter weiter steht ein Gasthaus. Trocken schaffen wir es ins Innere, während es hinter uns schon laut donnert. Das Gewitter sitzen wir mit Spezi und Schnapskarten aus, packen dann unseren Regenschutz aus und wagen uns nach einer halben Stunde wieder nach draußen.
Draußen ist es trocken. Wir frohlocken - das Universum meint es gut mit uns.
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Bis nach St. Peter wandern wir neben Bundesstraßen. Kurz vor dem Dorf schlängelt sich der Pfad dann doch noch einmal durch den Wald, über den Kammersberg. Wir spazieren direkt durch einen Hof. Laut kündigen wir uns an: Hund! Falls es dich gibt - wir kommen in Frieden. Kein Grund, uns aufzufressen.

Eine Katze chillt im Schatten und nickt uns zu. Wir atmen auf - ein so hoher Grad an kätzlicher Entspannung kann nur die Abwesenheit eines Hundes bedeuten. Wir gehen vergnügt weiter. Zwanzig Meter hinter dem Hof schießt dann auf einmal ein riesiges Biest an uns vorbei, überschlägt sich, ändert die Richtung und kommt direkt auf uns zu: Ein. Hund. Noch dazu ein riesiger. Mein Puls rast, ich denke daran, dass Hunde das spüren können und werde noch nervöser. Hätte mich doch wenigstens der Bär gefressen, schießt mir durch den Kopf. Aber Tod durch Monsterhund? So hätte ich mir das nicht vorgestellt.

Der Hund hat anscheinend auch anderes im Kopf. Er wedelt wie wild mit dem Schwanz, springt an uns hoch und sprengt sich vor lauter Freude fast selbst weg. Ab jetzt weicht er uns nicht mehr von der Seite, zerrt Stöcke aus dem Wald zu uns, kugelt Hänge hinab und hetzt lechzend wieder zu uns hinauf. Wir verstehen: Wir haben gerade versehentlich einen Hund entführt.
Kurz vor St. Peter finden wir einen Nachbarn, der uns den Hund wieder abnimmt. Unten angekommen ruhen wir uns kurz aus, bevor wir per Anhalter wieder nach Hause fahren. Morgen wird wieder ein ganz normaler Tag - aber die nächste Weitwanderung kommt bestimmt bald. Nach dieser Woche können wir es gar nicht erwarten.

Zum Nachmachen:

Ausgangspunkt: Erzherzog-Johann-Hütte (1490m)

Zielpunkt: St. Peter am Kammersberg (860m)

So wandert man: Von der Erzherzog-Johann-Hütte hinauf bis zur Haseneckscharte (2205m) (circa 2 Stunden). Dann stetig bergab, vorbei an der Neukirchner Hütte (1535m) ins Tal nach St. Peter. Insgesamt circa 6 Stunden.

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