Body, Soul und ziemlich viel Bier: Zwei Tage im Mühlviertel

Mühlviertel Oberösterreich Freistadt Johannesweg Prandegg
Obwohl ich jetzt schon seit einem Jahr mehr oder weniger in Oberösterreich wohne, hab ich es bisher nicht ins Mühlviertel geschafft. Schande! Über mich! Über meine Kuh! Das gehört geändert. Über Fronleichnam war ich also endlich einmal dort und hab mich umgesehen, was man da in zwei Tagen so anstellen kann.
Über das Mühlviertel wusste ich vor allem zwei Dinge: Hier gibt es viel Granit. Und Bier. Manchmal auch in Kombination. Es stand auch schon lange auf meiner Will-Ich-Sehen-Liste, allen voran wegen der Wanderwege durch die Granit-durchzogenen Wälder und Hügel - geschafft hab ich es trotzdem ein Jahr lang nicht. Und das, obwohl man von meiner Wohnung aus in nur dreißig Minuten schon in Freistadt ist (ganz zu schweigen davon, dass man von Linz in Wirklichkeit quasi in Minuten im Mühlviertel steht, aber so ein Ausflug nach Urfahr fällt bei mir wirklich noch nicht in die Kategorie Ja-Ich-War-Schon-Mal-Im-Mühlviertel).

Zeit also, mal raufzufahren und die Lage zu checken. Angefangen hat das Zwei-Tages-Abenteuer in Freistadt, wo ich mir im Brauhaus erstmal einen gehörigen Kater eingefangen habe. Mit dem im Schlepptau ging es dann am nächsten Tag sportlich weiter, und zwar wandernd am Johannesweg und mit dem E-Bike auf der Tour de Alm.

Obwohl ich, ihr wisst es, eher eine Person bin, die ich jetzt spontan als Salzkammergut-Girl betiteln würde (weil: Berge), bin ich ganz begeistert wieder nach Linz zurückgekehrt. Mühlviertel, ich komme auf jeden Fall wieder! Warum, lest ihr hier.

Freistadt Mühlviertel Kirche Stadt Mühlkreis Oberösterreich
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Freistadt: Das Bier-Mekka im Unteren Mühlviertel

Bei uns zuhause im Kühlschrank steht ausschließlich Freistädter Bier. Na gut, manchmal das ein oder andere Stiegl, ich bin ja schließlich doch eigentlich Salzburgerin, aber der Prozentsatz ist gering. Seitdem wir in Linz wohnen, bringen wir auch wirklich nur mehr Freistädter Bier als Gast-, Muttertags-, Vatertags- oder Danke-Dass-Ihr-Mir-Mittlerweile-Schon-Zwei-Empfehlungsschreiben-Geschrieben-Habt-Geschenk mit. Für mich eine ganz neue Perspektive, nach Jahren der Salzburger Mozartkugeln (die vom Fürst, versteht sich).

Das ist auch der Grund, warum ich mich schon so auf Freistadt gefreut habe - die legendäre Geburtsstätte des Lieblingsbiers vom Mann in echt zu sehen. Wir waren zwar schon einmal hier, aber das war zum Storchaufstellen, da waren die frischgebackenem Eltern plus Neugeborenes die größeren Attraktionen. Dieses Mal also am Plan: Die Stadt anschauen und Biere verkosten.

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Bier geht vor, also spazieren wir gleich nach Ankunft aus den Stadtmauern und hinüber ins Brauhaus. Dort wartet schon Ewald Pöschko auf uns, Geschäftsführer und Biersommelier. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch die Welt der Biere. Ein- bis zweimal im Monat werden diese besonderen Bierverkostungen angeboten, bei denen man sich durch die internationalen Biere aus dem hauseigenen Humidor kostet. Ich trinke sonst eher Wein, fühle mich aber gleich zuhause - auch bei Bierverkostungen muss zuerst die Farbe, dann der Geruch und schließlich der Geschmack gewertet werden.

Der Unterschied: Hier wird geschluckt. Die Bitterstoffe des Hopfens entfalten sich erst am Gaumen so richtig, nüchtern zu bleiben ist hier keine Option. (Zumindest nicht für mich, meine Alkohol-Toleranzgrenze liegt bei Ich-Schaue-Am-Freitag-Abend-Lieber-Orange-Is-The-New-Black-Und-Trinke-eine-Tasse-Tee-Dazu).

Die Stadt selbst ist mir mindestens so sympathisch wie die Brauerei nach dem zwölften Bier (!). Am nächsten Morgen erkunden wir die Innenstadt mit einer kleinen Führung. Unsere Tourguide Katharina zeigt uns das kleine Städtchen und erzählt uns so Dinge wie dass man bei einem Hauskauf in der Freistädter Innenstadt automatisch auch Anteile der Brauerei erwirbt. Diese werden nicht etwa in Euros ausgeschüttet, sondern vielmehr gegossen: Die Zähleinheit der Anteile ist Eimer von Bier.
So ganz entkommt man dem Hopfen und Malz hier also nicht wirklich. Wem der Sinn nach etwas weniger Alkohol und mehr Kultur steht, trinkt am besten ein Käffchen beim Suchan Kaffee gleich neben der Kirche und liest sich das Abendprogramm vom Salzhof durch. Die alte Burg wurde zum Kulturzentrum umgewandelt und trumpft jetzt nicht nur mit einem ausgezeichneten Angebot an Veranstaltungen auf, sondern auch mit der wunderschönen alt-neuen Gestaltung der Räumlichkeiten.
Geschlafen haben wir übrigens im Hotel Hubertus, das gleich mitten im Stadtzentrum liegt und das wahrscheinlich leckerste Frühstück in Oberösterreich anbietet. Wer etwas findet, das nicht mit ganz viel Liebe selbstgemacht wurde (Rhabarbersaft! Eigene Marmelade! Selbstgebackenes Brot!), schreibe mir bitte, ich halte es nämlich für eine Unmöglichkeit. Auch Nicht-Hotelgäste sollten übrigens unbedingt in die dazugehörige Konditorei schauen und Bierpralinen verkosten. Achtung, das Aufhören fällt schwer. Sehr. Schwer.
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Gut für Körper und Seele: Der Johannesweg

Nach der Stadttour geht's hinaus aufs Land. Als begeisterte Weitwanderin ist mein Mühlviertel-Highlight auf jeden Fall der Johannesweg. Auf 84 Kilometern führt der Pilgerweg über Stock und Stein, rund um und auf die Mühlviertler Hügel und vorbei an riesigen Granit-Felsen.
Der offizielle Start ist in Pierbach, wir starten jedoch in Unterweißenbach und wandern eine halbe Tagesetappe bis nach Königswiesen. Das erste Stück führt uns sofort steil nach oben, aber die Landschaft lenkt von der Anstrengung mehr als ab. Ich freue mich über jede Granitkugel, die in meinem Weg liegt - so habe ich mir das vorgestellt.

Obwohl wir hier nicht in den Alpen sind, machen wir einige Höhenmeter - kaum hat man einen der vielen Hügel bezwungen und hinter sich gelassen, beginnt schon der nächste. Die meisten gehen den ganzen Weg in drei Tagen, wenn man besonders viel Ausdauer hat, schafft man die 84km aber auch in zwei (oder einem!).

Die Sportlichkeit steht hier aber nicht im Vordergrund: Eigentlich geht es um die Besinnung auf den eigenen Körper und Geist. Auf 12 Stationen am Weg liest man Philosophisches zum Thema - mich erinnern die Sprüche an das Yogasutra. Genau das Richtige für mich also. Als wir am Abend in Königswiesen ankommen, steht für mich fest: Diesen Weg gehe ich irgendwann fertig.

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Kurzer Abstecher: Die Burgruine Prandegg

Dieses Mal bleibt leider keine Zeit für die ganze Runde. Einen kleinen Abstecher erlauben wir uns trotzdem noch und besuchen die Burgruine Prandegg. Die liegt eigentlich direkt am Johannesweg, wir fahren dreist mit dem Auto hin.

Als wir ankommen liegt schwerer Nebel auf dem zerfallenen Gemäuer. Wie Gischt spült der Wind die Wolken um die Baumgipfel, immer wieder tauchen die umliegenden Hügel ab und versinken im Weiß. Das Wetter taucht die alte Burg in eine mystische Atmosphäre.

Durch die einfallenden Wände und das wuchernde Umkraut führen kleine Wege, die Ruine lädt zum Erkunden ein. Ich klettere an einer Mauer hoch, bücke mich durch einen Durchgang. Unter mir auf einmal der Hauptweg, wenige Zentimeter vor meinen Füßen fallen die Überreste der Feste steil nach unten.

Hey!, höre ich auf einmal von oben, hinter mir. Stefan winkt fröhlich vom alten Turm.

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Mühlviertel Johannesweg Wandern Granit Oberösterreich Ausflug Prandegg
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Gemeinsam spazieren wir den kurzen Rundweg entlang. Hinter der Ruine, als sich uns eine weite Aussicht über das Mühlviertler Hügelland eröffnet, überrascht uns Prandegg noch einmal. Hölzerne Brücken und Steige führen hier über die mächtigen Granitfelsen, auf denen die alte Burg thront.

Ich kann mich fast nicht satt sehen. War ich vorher schon überzeugt davon, noch einmal zum Johannesweg zurückzukommen und ihn fertig zu gehen, bin ich jetzt noch ungeduldiger. Noch aber ist es nicht so weit: Statt zu wandern machen wir uns an eine Mountainbike-Tour durch das Granitland.

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Biken im Mühlviertel: Die Tour de Alm

Auf 177 Kilometern und über 5000 Höhenmetern führt die Tour de Alm durch die Granitlandschaft im Mühlviertel. Wir schnappen uns ein E-Bike beim Karlingerhaus in Königswiesen (in dem man übrigens ganz wunderbar und mit schönster Aussicht übernachten kann!) und fahren einen kleinen Teil davon ab. Obwohl es sich mit dem Elektromotor unterm Hintern nicht so anfühlt, schaffen wir einige Höhenmeter, bevor wir zu Sonnenuntergang auf einer Anhöhe ankommen.

Die Aussicht haut mich um. Im warmen Licht der untergehenden Sonne wiegen sich Grashalme im lauen Wind, Vögel zwitschern und kein einziges Auto stört die Idylle. Ich kann nicht anders, als am Hügel stehen zu bleiben und ein paar Fotos zu machen. Als ich weiter fahre, bläst mir der Fahrtwind meine Haare aus dem Gesicht, während die letzten Sonnenstrahlen meine Wangen kitzeln.

Schöner kann man den Abend fast nicht ausklingen lassen. Die Rückfahrt ist entspannt, es geht fast nur mehr bergab, und wo doch noch ein Anstieg vor uns liegt, hilft das Rad nach. Ich nehme mir vor, auch die Tour de Alm einmal ganz zu fahren - und mir vielleicht ein E-Bike zuzulegen. Ganz vielleicht.

Am Tag darauf ist es dann auch schon Zeit für unsere Abreise zurück nach Linz. Mit nachhause nehme ich nicht nur jede Menge neuer Eindrücke und wunderschöner Fotos, sondern vor allem ein Haufen guter Vorsätze: Der Johannesweg will zu Ende gegangen werden, in Freistadt gibt es ein paar Cafés, die ich probieren will, und die Tour de Alm lockt mich auch noch. Da muss ich in Zukunft wohl das Salzkammergut etwas öfter durch das Mühlviertel ersetzen.

Mühlviertel Tour de Alm Mountain Bike Rad Radtour Oberösterreich Ausflug
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Ich wurde von Tourismus Oberösterreich und Intersport eingeladen, das Mühlviertel zu erkunden - herzlichen Dank dafür! Meine Meinung bleibt davon natürlich unbeeinflusst. Die Gegend ist nämlich so oder so schön!

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1 Kommentar zu "Body, Soul und ziemlich viel Bier: Zwei Tage im Mühlviertel"

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[…] von 8 Gründen, warum man Oberösterreich gesehen haben muss. Das behaupten jetzt zwei Blogger, die 2 Tage im Mühlviertel unterwegs waren. Wir waren – zumindest in Freistadt – mit […]

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