Wir radeln ans Meer: Von Ljubljana nach Umag (2 Tage)

erstellt am: 09.07.2017 | von: vanndann | in: Ausflug, Natur, Rad

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Wir haben uns zwei Wochen lang Zeit genommen, um von Ljubljana bis nach Zadar in Kroatien zu radeln. Die ersten beiden Tage führen uns durch die slowenischen Berge bis ans kroatische Meer - wie's war, steht hier.

Ich mache mir Sorgen. Große.

Es ist drei Uhr Nachmittags und wir stehen am Bahnhof in Ljubljana. Vor fast einer Stunde kam unser Zug in der Hauptstadt Sloweniens an, nach acht Stunden Fahrt (und einem abenteuerlichen Umstieg in Wien mit zwei voll-bepackten Rädern durch die Großstadt-Menschenmenge, der ja offensichtlich glückte, meine Nervenstränge dennoch bis auf Nanometerdicke dehnte).

Dennoch sind wir noch keine hundert Meter gefahren, es ist unglaublich heiß, wir haben kein Wasser und zu allem Übel bin ich gerade erst aus meinem Zugfahrtsschlaf erwacht und ergo in einem Zustand, in dem meine Selbst- und Impulskontrolle der eines sehr anstrengenden Kleinkindes gleicht. Ich will nicht Rad fahren, und wenn ich schon muss, dann bitte gleich. Schließlich haben wir heute noch vor, mindestens 70 Kilometer und ein slowenisches Gebirge zu überwinden.

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Zwei Wochen haben wir uns Zeit genommen, von Ljubljana bis nach Zadar in Kroatien zu radeln, durch Istrien und über die kroatischen Inseln. Wenn man mich fragt, ein großer Liebesbeweis, denn mir hätte es auch gereicht, mich mit einem großen Stapel Bücher und einem Teller voller Wassermelone an den Strand zu legen. Ab und an mal die große Zehe ins Wasser stecken und fertig.

Ganz so, wie man den Wert einer Frau in Kamelen messen kann, existiert bestimmt ein ökonomisches Äquivalent zu einer zweiwöchigen Radtour durch die Hitzewelle des Jahres im Süden Europas. Schlussfolgerung: Wenigstens bin ich im Plus. Ich gewinne in dieser Beziehung, denn so ist das in der Liebe, diejenige, die netter zur anderen, zum anderen ist, gewinnt. True Story.

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Endlich geht es los. Wir treten in die Pedale, die schwer beladenen Räder schieben sich langsam durch die flimmernde Luft. Für Ljubljana bleibt nur kurz Zeit, wir wollen weiter zum Radweg, der raus führt. In die Berge. Zum Meer.

Wir studieren unsere Karte, es sind mehrere Radwege eingezeichnet. Kurz nach Ljubljana soll der erste beginnen, er führt uns direkt Richtung Berge. Und tatsächlich, am Stadtrand mündet die asphaltierte Straße in einen Schotterweg, zumindest unser Orientierungssinn ist also putzmunter und funktionsfähig.

Es dauert nur hundert Meter, da vergeht uns die Freude wieder: dieser Weg ist nicht radfreundlich. Glassplitter liegen rund um tiefe Schlaglöcher, spitze Steine haken sich in unsere Reifen. Nach ein paar Kilometern endet der Weg, wir stehen im Nichts. Schön grün ist es, ein türkiser Bach fließt durch den Urwald und reflektiert die sengenden Sonnenstrahlen. Wir sind etwas ratlos: Was jetzt?

Zum Umdrehen sind wir auf jeden Fall zu faul, also bleibt nur eine Option offen: Wir entladen die Räder und tragen Gepäck plus Fahrgestell über den Fluss. Ein paar Stahlstreben tragen ein großes Rohr über das Wasser, die werden bestimmt auch uns aushalten. Und - wenn ich wir sage, meine ich, na Eh Scho Wissn. Als ob ich mit einer Hand ein ganzes Rad über einen slowenischen Fluss tragen könnte, während ich mit der anderen krampfhaft versuche, zwar ja nicht ins Wasser zu fallen, aber auch das glitschige Rohr nicht zu berühren! Ich kümmere mich lieber um das Anfeuern und Besorgt-Am-Ufer-Stehen. Auch wichtig.

Wir verlieren 40 Minuten und sind noch keine zehn Kilometer von Ljubljana entfernt. Das beginnt ja großartig.

Ab jetzt bleiben wir auf der Straße.

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Dann geht's endlich bergauf. Zuerst im übertragenen Sinne: Die Straßen sind gut befahrbar, wir sammeln einen Kilometer nach dem anderen und immer, wenn uns das Wasser ausgeht, kommt aus dem Nirgendwo ein Supermarkt daher.

Irgendwann kommen auch die echten Höhenmeter dran.

Die Ausläufer des Dinarischen Gebirges türmen sich vor uns auf, Serpentinen bahnen sich einen Weg nach oben. Langsam, langsam erklimmen auch wir den Anstieg. Die untergehende Sonne meint es gut mit uns, die Temperaturen sind ertragbar und auch nur wenige Autos verirren sich um die Uhrzeit in die Berge.
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Am Nachmittag haben wir uns das Tagesziel noch bewusst offen gelassen. Plan war: In Ljubljana starten und dann - Schau ma mal. Mittlerweile wird es Zeit, an einen passenden Zeltplatz zu denken. Postojna, steht auf meiner Karte. Bis dahin könnten wir es schaffen.

Ich vergleiche die Daten mit dem GPS am Handy. Das scheint kein Postojna zu kennen, weiter müssen wir aber sowieso, also treten wir wieder los. Es dauert länger, als mir lieb ist, bis ich verstehe, dass mein Telefon nur Deutsch spricht und mir Postojna als Adelsberg anzeigt.

Cool verliere ich kein Wort darüber und gebe vor, mir immer schon über den zweifachen Namen des kleinen Städtchens bewusst gewesen zu sein. Eh klar!

Nach 72 Kilometern, 512 Höhenmetern und 4 Stunden 37 Minuten sehr heißer Fahrt steigen wir vom Rad. Postojna ist unser Endpunkt für heute, weiter wollen wir nicht. Das letzte Tageslicht ist schon fast verschwunden, als wir uns hungrig auf unser Abendessen stürzen. An die Kilometer von morgen will ich noch gar nicht denken.

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Tag 2: Unendlich lang, unendlich heiß, aber endlich Meer

Der Mann nennt es Frühstücken wie ein Mähdrescher, mir kommt's vor wie das normale Frühstücksausmaß an einem Urlaubstag, Fakt ist: Wir beginnen den zweiten Tag der Radtour erst einmal mit einer großen Portion Kalorien. Dann wird keine Zeit verloren. Die Taschen kommen links, rechts an den Gepäckträger, der schmerzende Hintern wird vorsichtig auf den Sattel gesenkt, ab geht die Post.

Unsere Pläne für heute sind ambitioniert. Wir wollen es bis ins kroatische Umag schaffen, mehr als hundert Kilometer entfernt. Normalerweise nicht wirklich ein Problem, mit dem vielen Gewicht und der Hitze allerdings eine Herausforderung, zumindest für mich. Zumindest die erste Hälfte des Tages ist noch entspannt, denn irgendwie müssen wir ja von unserem slowenischen Gebirge runter ans Meer.

Bergabfahren heißt: Gemütlich chillen und die Schwerkraft die Arbeit erledigen lassen. So mag ich das.

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Irgendwann ist es so weit: Wir sehen es. Oder, besser gesagt, sie - die blaue Adria, funkelnd in der Sonne, tief unter uns. Rechts ist Triest, gut erkennbar, ein bisschen weiter links davon muss also Kroatien liegen. Voller Freude lassen wir uns bergab treiben, der Fahrtwind als freundlicher Begleiter stets kühlend an unseren Gesichtern.
Bis nach Koper fahren wir zügig, schnell haben wir die slowenische Hafenstadt erreicht. Wir nehmen das Rad kurz mit in die Innenstadt, klappern über holprige Pflastersteine und sind einfach nur erleichtert. Wir haben es wirklich bis ans Meer geschafft! Egal, was heute noch kommt, das wichtigste Ziel ist erreicht.
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Hier beginnt wieder ein Radweg. Wir sind anfangs skeptisch, dann aber positiv überrascht: Die Strecke bis nach Portorož ist gut ausgebaut, führt zuerst direkt am Meer und danach durch Olivenhaine sogar bis zur kroatischen Grenze. Selbst der starke Gegenwind und das stetig steigende Thermometer können mir da die Laune nicht ruinieren.

Zur heißesten Zeit des Tages erreichen wir Portorož. Wir beschließen, hier eine längere Pause einzulegen und auf die kühlen Abendstunden zu warten, um die restlichen Kilometer zu bewältigen. Nach einer großen Portion Nudeln, serviert von einem Kellner, der automatisch auf Deutsch mit uns spricht, und einem Blick über die in Reih und Glied stehenden Sonnenliegen entscheiden wir uns doch um. Too many dicks on the dance floor, quasi. Ich will weg von den Touris und wieder rauf aufs Rad.

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Wir schwingen uns also wieder auf die Räder. Nach der kroatischen Grenze geht es steil nach oben, aber wir sind einfach nur froh, es überhaupt bis nach Kroatien geschafft zu haben. Wieder ein Teilziel! Umag ist nicht mehr weit.
Dann sind wir auf einmal da. 111 Kilometer und 827 Höhenmeter liegen hinter uns, ein anstrengender Tag. Ich bin fix und fertig.
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Die ersten zwei Tage der Radtour durch Slowenien und Kroatien sind geschafft. Wir sitzen am Meer und stoßen auf die Anreise an: So weit, so gut. Mal sehen, wie es uns in den nächsten 12 Tagen ergeht...

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