Mein alkoholfreier Sommer

erstellt am: 20.08.2017 | von: vanndann | in: Kolumnen, Und So

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Ich habe beschlossen, ein paar Monate lang keinen Alkohol zu trinken. Bestimmt schockiert euch diese Enthüllung so gut wie gar nicht, denn glasklarer könnte es nicht sein. Frau, langjährige Beziehung mit Mann, kein Alkohol. Die Gleichung geht auf: schwanger. Hundertprozent.

Hat man über Jahre hinweg bei Verwandtschaftstreffen mit hausgebranntem Schnaps angestoßen, einen süßen Spritzer nach dem anderen bestellt und sich Gerüchten zufolge einmal direkt vor die Fahrertür des Autos seiner Eltern übergeben, ehe der designierte Fahrer, a.k.a. Papa, kommentarlos darüber- und einstieg, ist es gar nicht mal so leicht, den gelegentlichen Alkoholkonsum hinter sich zu lassen. Verweigere ich Opas Schnaps also, breitet sich sofort ein wissendes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Was? Wirklich? War langsam eh schon an der Zeit. Mit Mitte zwanzig und nicht abgeschlossener Ausbildung ein Kind zu bekommen ist nicht meine Vorstellung von an der Zeit, Opa!

„Ich trinke heute nichts, danke“ in die Runde zu werfen, während gleichzeitig dein Freund verliebt mit seinem Arm um deine Schulter neben dir sitzt, hat sich nicht als die beste Strategie erwiesen. Verstohlene Blicke unter den jungen Eltern der Verwandtschaft, die schon mental ihr Strampler-Inventar durchforsten, um nach dem zu suchen, der sich nach hunderten Malen Babykotze wohl noch am besten als Geschenk recyclen ließe, und gehobene Augenbrauen mit verzücktem Nostalgielächeln der älteren Generation rieten dringend zum Kurswechsel.

Meine Mama, die sich bei dem Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft meinerseits fast bekreuzigt und die Familiengründung ihrer Tochter regelmäßig mit gutgemeinten Kommentaren wie „Du weißt ja gar nicht, wie anstrengend Kinder sind!“ (Blick in meine Richtung) und „Dann hast du überhaupt keine Zeit mehr für dich! Überhaupt nicht!“ zu verhindern sucht, funkelt mich nur warnend an, als ich zum ersten Mal Alkohol verschmähe. „Wehe“, scheint sie zu sagen, während ich mich abermals frage, was mir meine Mutter nur bitte mitteilen möchte, war ich doch ein engelsgleiches und durchaus unkompliziertes Kind, das niemals nie durch sein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis auffiel.

Da mir dieses Großinteresse an der Befindlichkeit meines Uterus auf Dauer auf die Nerven ging, beschloss ich, meinen Antialkoholismus fortan einfach geheim zu halten, als wäre er eine peinliche Videoaufzeichnung meiner Songcontest-Nachstellungen aus Kindheitstagen.

„A Schnopserl, ja gerne“, bejahe ich jetzt also lautstark in dem, was als mein bestes Oberösterreichisch durchgeht, bei Familientreffen des Freundes. Demonstrativ hebe ich das Stamperl an die Lippen, verziehe mein Gesicht vom scharfen Alkohol und schiebe heimlich das volle Glas Richtung Boyfriend. Mein Verbündeter kippt den zweiten Schnaps professionell und leise. Niemand schöpft Verdacht.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich spätestens nach dem dritten Schnaps (dem sechsten, wen man den Mann fragt) zu folgender Erkenntnis gekommen bin: Betrunkene Menschen sind sehr leicht auszutricksen. Als Frau in gebärfähigem Alter in fixer, langjähriger und heterosexueller Beziehung keinen Alkohol zu trinken, gleicht zwar einem Foto vom #babybump auf Instagram - die penible Überwachung meines Alkoholkonsums zur Feststellung möglichen Nachwuchses endet aber irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Kurzen.

Danach kann man sich guten Gewissens zurücklehnen, an seinem Spezi nippen und das Spektakel beobachten. Lange wird es nicht so ruhig bleiben, denn spätestens in weiteren zwei Schnaps kippt der Mann vom Sessel. „Der hält auch nichts mehr aus“, verdrehe ich meine Augen. „Sogar ich stehe noch, und habe schon mindestens so viel Schnaps intus!“

*Dieser Artikel ist eine nicht ganz ernst gemeinte Antwort auf den Artikel "Mein alkoholfreier Sommer" von Michael Buchinger. Den sehr lustigen Originaltext kann man hier lesen!

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