Totes Gebirge Überschreitung: Almsee bis Altaussee

Totes Gebirge Oberösterreich Österreich Salzkammergut Altaussee Almsee Überschreitung
Seitdem ich vor zwei Jahren am Großen Priel stand und durch weiße Wolken hindurch ganz Oberösterreich vor mir ausgebreitet sah, wollte ich es: das Tote Gebirge überschreiten. Varianten gibt es viele, aus Zeitgründen haben wir uns für eine kurze entschieden - In zwei Tagen vom Norden nach Süden, Almsee bis Altaussee über die Grieskarscharte. Wie's war, steht hier.
Wie immer sind wir mit den Öffis unterwegs, wie immer starten wir relativ spät. Das Eine hängt definitiv mit dem Anderen zusammen, der erste Zug plus Bus bringt uns erst um kurz nach neun Uhr morgens zu unserem Ausgangspunkt. Vom Almsee sieht man fast nichts, das Tote Gebirge ragt dafür allgegenwärtig und einschüchternd vor uns auf. Schon am Startpunkt spekulieren wir, welche Scharte wohl die unsere ist - die mit dem steilen Schotterfeld? Die mit den riesigen Felsbrocken? Die mit den zackigen Felsspitzen links und rechts? Fast senkrecht scheinen sie alle in die Lüfte zu ragen. Wir werden es dann schon sehen, ist der Konsens - wir schultern also die Rucksäcke, schießen noch kurz ein Selfie und los geht's.

Der erste Teil des Weges führt uns fast flach zum Einstieg. Immer näher kommen wir den felsigen Wänden, die eindrucksvoll über uns hängen. Ich spüre Vorfreude durch meinen Körper fahren - ich will da rauf. Ich muss da rauf. Der Berg ruft laut.

Schließlich kommen wir zu einer Weggabelung. Links geht es hinüber zum Sepp-Huber-Steig, nicht minder vielversprechend als der von uns ausgewählte, aber leider in die falsche Richtung. Ein anderes Mal, denke ich und biege nach rechts ab. Vor uns liegt der Grieskarsteig, ungefähr 1120 steile Höhenmeter weiter oben liegt die gleichnamige Scharte: unser erstes Ziel.

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Ab hier ist es steil, und zwar bis nach oben. Kein gerades Stückchen Weg bringt Verschaufpausen, auch Schatten gibt es hier nur spärlich. Die Sonne brennt mir in den Nacken und ich kämpfe wieder einmal mit der Hitze - mein Kryptonit. Bei jedem kleinsten Lufthauch spüre ich, wie mein Körper erleichtert durchatmet, mein Schritt schneller wird, ich erfrischt auf den Berg hüpfe, bis der Wind wieder nachlässt und ich mich durch die stehende Luft schleppe.

Auf halber Höhe zur Scharte ist Besserung in Sicht: Hier fließt ein kleiner Bach auch jetzt, im Spätsommer, die steile Rinne hinab. Türkisblaues Wasser sammelt sich in Pools, alle zehn Meter liegt ein weiteres Becken. Wir klettern zum nächstliegenden und füllen unsere Trinkschläuche auf.

Vorbei an riesigen Felsen geht es Richtung Felswand, die endlich Schatten spendet. Hier ist es steil, schroff und teilweise seilversichert - ich bin wieder in meinem Element. Der Schatten spendet langersehnte Kühle, das Kraxeln macht Spaß und zwischendurch gräbt der Mann Marmorkuchen aus seinem Rucksack: läuft.

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Bis aufs Wandern läuft auch der Trinkschlauch - zu spät bemerke ich, wie mein Rucksack und meine Hose langsam vor Wasser triefen. Wir binden Hüttenschlafsack, Handtuch und Kleidung an unsere Rucksäcke und wandern weiter, ich ab jetzt ohne Wasser.

Schnell sind wir oben - nur mehr ein paar Leitern und Felsbrocken liegen vor uns, da eröffnet sich uns die Sicht auf das wunderschöne Hochplateau. Bunte Disteln wachsen wild zwischen den weißen Steinen, in der Ferne sieht man vereinzelte Latschen, neben uns öffnet sich der Fels zu einer riesigen Höhle.
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Ab hier geht es mehr oder weniger geradeaus. Schnell lassen wir die felsige Landschaft der Grieskarscharte hinter uns und stoßen auf den Weitwanderweg 01. Scheinbar ewig stapfen wir abwechselnd durch grüne Latschen und verkarstete Flächen. Hin und wieder wandern wir an kleinen Seen entlang, Tümpeln, die der Hitze hier oben noch standgehalten haben, und drängen uns an Kühen vorbei.

Wären wir zu zweit unterwegs, würden wir da drüben gehen!, lacht Lisa und zeigt auf einen steilen Hang weitab vom Weg - und weitab von den Rindern. Stimmt. Fairerweise liegt das zu hundert Prozent an mir, aber: Was kann ich dafür, dass außer mir niemand versteht, wie gemeingefährlich Kühe sind? Den Männern ist das herzlich egal, sie gehen einfach mittendurch. Wir also auch. Na gut. Dieses Mal ist nichts passiert - pures Glück. Nächstes Mal gehe ich wieder den Umweg über die Wildnis, sicher ist sicher.

Unser Ziel für heute ist das Albert-Appel-Haus, bei dem wir unsere Rucksäcke abstellen möchten. Dann soll es weiter auf den Großen Woising (2064m) gehen, mit zwei Stunden von der Hütte angeschrieben. Noch vor der Hütte sehen wir allerdings, wie sich Gewitterwolken über dem Dachstein sammeln - es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei uns stürmt.

Wir beschließen also, zur Sicherheit einen anderen Gipfel mitzunehmen, der mehr am Weg liegt. Zum Redenden Stein (1900m) führt ein Weg direkt von unserer Strecke, der Aufstieg ist kurz. Allerdings müsste man dazu erst wieder einige Höhenmeter nach unten in Kauf nehmen, bevor man wieder hinaufklettert. Wir sind nicht einmal hundert Höhenmeter unter dem Gipfelkreuz, geradeaus geht es hinab zum Einstieg, links von uns führt ein Hang zur Mauer. Spontan beschließen wir, es zu versuchen. Wir nehmen den Weg und kraxeln querfeldein hinauf zum Kreuz. Ein einsames Steinmännchen weist uns den inoffiziellen Weg über die Felsen bis zum Gipfel. Dort angekommen, halten wir erst einmal inne: Die Aussicht ist atemberaubend.

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Als wir beim Albert-Appel-Haus ankommen, herrscht schon reges Treiben - hier sind also die ganzen Leute, die wir tagsüber vergeblich gesucht haben. Nicht, dass wir die Einsamkeit an der Nordseite des Toten Gebirges nicht genossen hätten; bei so schönem Wetter war die Menschenleere aber dann doch etwas unverständlich.

In der Ferne zucken die ersten Blitze. Wir setzen uns auf die Terrasse, solange es das Wetter zulässt, und stoßen auf einen erfolgreichen ersten Tag an. Den Großen Woising sparen wir uns für ein anderes Mal - worin uns das Donnergrollen in nicht allzu weiter Ferne mehr als bestätigt. Die ganze Nacht über tobt der Sturm über uns, gleißend helle Blitze schneiden durch die dunkle Nacht. Als wir aufwachen, ist alles wieder ruhig.

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Heute liegt nur eine kurze Wanderung vor uns: Der Abstieg von der Hütte zum Altausseer See. Wir müssen schließlich noch unseren Zug erwischen, der uns wieder zurück in die Stadt bringt. Stress haben wir trotzdem keinen, also entscheiden wir uns für die längste Variante: der Abstieg über die Trisselwand (1754m). Wir sind schnell unterwegs, flott erreichen wir die Schoberwiesalm (1704m). Am Weg nehmen wir noch einen unmarkierten Gipfel mit, nur Steinmännchen verraten, dass hier wohl so etwas wie ein Weg hinauf führt. Von oben sehen wir schon unseren nächsten Gipfel, die Trisselwand - kurze Zeit später stehen wir dann schließlich selbst oben.

Tief unter uns liegt schwarz funkelnd der Altausseer See, irgendwo links von uns versteckt sich der Grundlsee hinter einer Felswand. Wir nehmen uns kurz Zeit, mit unserer Wanderkarte die umliegenden Gipfel zu identifizieren - for future reference, versteht sich. So weit südlich sind wir selten wandern, was aber nicht bedeutet, dass wir nicht damit anfangen sollten.

Erst beim Abstieg offenbart sich das wahre Ausmaß der Trisselwand - imposant fällt der Felsen hier hinab bis zum Altausseer See. Je weiter wir absteigen, desto eindrucksvoller erhebt sich der Berg hinter unseren Rücken. Irgendwann taucht auch der Grundlsee aus seinem Versteck aus und zeigt sich in voller Pracht. An einer Weggabelung entscheiden wir uns trotzdem für die Wanderung zum Altausseer See, springen kurz in das kühle Nass und schnappen uns den nächsten Bus.
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Totes Gebirge, es war uns eine Ehre! Was uns jetzt noch bleibt? Die tausend anderen Varianten, dich zu überqueren. Also: Hawidere und bis zum nächsten Mal!

Route: Vom Almsee bis zum Altausseer See, über den Grieskarsteig und das Albert-Appel-Haus
Zeit: 2 Tage (ein langer und ein sehr kurzer)
Gipfel: Redender Stein (1900m), Trisselwand (1745m); plus unzählige weitere Möglichkeiten
Höhenmeter: Circa 1800 am ersten Tag (Aufstieg), circa 500 am zweiten Tag (Aufstieg), dafür ein sehr langer Abstieg
Anreise: Mit dem Zug bis nach Grünau im Almtal, von dort mit dem Bus 533 bis zur Endstation am Almsee
Abreise: Von Altaussee bis zum Bahnhof Bad Aussee mit dem Bus 955, von dort mit dem Zug weiter.

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